Nach den Rauchschwaden Bayern Oil

Nach dem Unglück bei der Bayernoil geht das Leben weiter – nicht aber der Alltag

Von Susanne Lamprecht
Genau zwei Wochen ist es jetzt her, dass sich in der Bayernoil-Raffinerie Vohburg ein Unglück ereignet hat, mit dem in dieser Größenordung niemand gerechnet hätte und von dem jetzt, im Nachgang, alle Beteiligten sagen: „Wir haben ein Riesenglück und einen großen Schutzengel gehabt.“
In den frühen Morgenstunden des 1. September hatte es in der Raffinerie eine Explosion, gefolgt von einem riesigen Feuer, gegeben. Auf dem Gelände entstand Sachschaden, den man bis dato noch nicht beziffern kann, der aber definitiv in die Millionen geht. Dazu kommen unzählige beschädigte Privathäuser in den umliegenden Gemeinden und blank liegende Nerven und Ängste bei den Anwohnern, vor allem in dem der Raffinerie am nächsten gelegenen Ortsteil Irsching. Während die Abwicklung der materiellen Schäden bereits angelaufen ist, werden die an der Psyche der Menschen wohl nicht so leicht zu beheben sein.Davon zeugt ein offener Brief, den der Irschinger Matthias Kolbe an Bayerns Innenminister Joachim Hermann geschrieben hat. Von den Ängsten der Anwohner, von Anwohnern, die nachts nicht mehr schlafen können, ist darin die Rede und auch davon, dass man bei allem Verständnis für die benachbarten Firmen (gemeint sind damit nicht nur Bayernoil sondern auch Uniper) finde, das Maß sei voll für einen so kleinen Ort und seine Menschen.
Immer wieder habe es in der Vergangenheit hier Unfälle und Unglücke gegeben. Immer habe man dabei Glück gehabt. „Wir haben Angst, dass unsere Wunder und Schutzengel einmal aufgebraucht sind.“
Deutlich pragmatischer, wenn auch nicht weniger schockiert, geht man bei Bayernoil mit dem Unglück um. Hier laufen derzeit, so heißt es aus der Pressestelle, unzählige Briefe mit Schadensmeldungen ein. Rund 300 bis 400 sind es derzeit Schätzungen zu Folge – „und wir sind uns sicher, dass es noch viele, viele mehr werden.“ Im Moment seien eine ganze Reihe von Mitarbeitern damit beschäftigt eben diese Briefe zu bearbeiten und sich um die Schadensregulierung zu bemühen.
Alle Schäden, die unter 5.000 Euro liegen, versichert Kirsten Pilgram, Pressesprecherin der Bayernoil, werden gegen Nachweis der Reparaturrechnung und Bilder der Beschädigungen ohne zusätzliche Prüfung durch die Versicherung entschädigt.
Die ersten Summen wurden hier, so heißt es, bereits überwiesen. Bei größeren Summen sei es schwieriger, so dass das Unternehmen hier empfiehlt, sich zunächst an die eigene Gebäudeversicherung zu wenden. Ein Schritt, den viele Betroffene bereits gegangen sind.
Wie weit genau die räumliche Ausdehnung der Schäden dabei ist, zeigt die Tatsache, dass auch eine ganze Reihe von Schadensmeldungen aus Ingolstadt, Großmehring und vor allem Ernsgaden eingegangen sind. Der Schwerpunkt liege allerdings naturgemäß in Vohburg und seinen Ortsteilen. Um Schadensbekämpfung bemüht man sich indes auch auf dem und um das Werksgelände selbst. Während drinnen immer noch die Aufräumarbeiten laufen und Sachverständige, Gutachter und Statiker am Werk sind, um unter anderem zu prüfen, welche Gebäude noch betretbar sind, um wichtige Akten zu retten und natürlich auch, um der Ursache für das Unglück auf den Grund zu gehen, ist draußen eine Gruppe Auszubildender unterwegs und sammelt in Gärten und auf Feldern Trümmer ein. „Bei uns macht im Moment jeder alles“, sagt Pilgram.

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