Mediengewitter um Wendelin Göbelgoebel

Kaum als Vorstand bei Audi installiert, soll er laut neuesten Gerüchten schon wieder in Ungnade gefallen sein

Von Michael Schmatloch

Steht bei Audi bereits der nächste Wechsel im Vorstand vor der Tür? Gerüchte machen die Runde, dass der neue Personalvorstand Wendelin Göbel schon wieder in Ungnade gefallen sein und sein Posten deswegen zur Disposition stehen soll. Ein Gerücht wie gesagt, das vom Manager Magazin in die Welt gesetzt und von Audi dementiert wurde. Zumal der Medienbericht noch eins draufsetzt und als Nachfolger Göbels ausgerechnet Jörg Schlagbauer ins Spiel bringt.
Wo Rauch ist, da ist meist auch Feuer, sagt ein Sprichwort. Und Audi, einst ein Premiumhersteller der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, ist längst zu einem Konzern der unbegrenzten Unmöglichkeiten geworden. Seit der Dieselkrise ist nichts mehr, wie es war. Vorstände und Posten im oberen Management werden gewechselt wie die Oberhemden, die Halbwertszeit liegt unter der von mittelmäßig begabten Fußballtrainern. Sich die Namen der Vorstandsriege merken zu wollen, ist vergebene Liebesmüh. Der Vorstandschef sitzt in Untersuchungshaft, Schichten müssen gestrichen werden und diverse Modelle sind nicht mehr zu kaufen, weil Audi die Umstellung auf den neuen Abgas-Testzyklus verschlafen hat.
Und nun das neue Gerücht um Wendelin Göbel. Er soll den vom inhaftierten Vorstandschef Rupert Stadler verordneten Personalabbau nicht zügig genug umgesetzt haben. Wahrscheinlicher wäre, sollte Göbel tatsächlich beim Aufsichtsrat in Ungnade gefallen sein, dass dessen Nähe zu Martin Winterkorn als Generalsekretär in Wolfsburg belastend werden könnte. Winterkorn steht im Fokus der Ermittlungen im weltweiten Abgas-Skandal, wird von den USA mit internationalem Haftbefehl gesucht. Und sollte Winterkorn weit vor der zugegebenen Zeit von den Manipulationen an Dieselmotoren gewusst haben, ist es doch unwahrscheinlich, das sein „General“ nichts mitbekommen haben soll. Und ganz emotionslos betrachtet, dürfte bei Audi und VW das Management-Personal langsam knapp werden, dass nichts gewusst hat. Deswegen bedient man sich ja auch aus dem Fundus von BMW. Selbst der Pressechef von Audi, Dirk Arnold, der dem Gerücht um Wendelin Göbel mit den Worten „Göbel steht nicht zur Disposition“ entgegentrat, ist ja ein Newcomer von BMW.
Abenteuerlicher noch als das um den angeblich in Ungnade gefallenen Göbel ist das Gerücht um dessen mögliche Nachfolge als Personalvorstand. Ausgerechnet Jörg Schlagbauer, Vertrauenskörperleiter der IG Metall bei Audi und in dieser Rolle wortgewaltiger Kämpfer um den Erhalt von Arbeitsplätzen, wird da gehandelt. Und das schon seit Wochen. Aber wie absurd ist es, einen, der stets lauthals gegen die Champagneretagen gewettert hat, in genau diese Champagner-etagen berufen zu wollen, ihn im Gegensatz zum biblischen Vorbild nicht vom Saulus zum Paulus, sondern umgekehrt vom Paulus zum Saulus werden zu lassen? Ein Gewerkschafter als Garant für Personalabbau? Das wäre wohl weltweit einmalig. Mit weltweiten Einmaligkeiten indes hat man bei Audi ja Erfahrung. Dennoch bleibt zu hoffen, dass die jüngsten Gerüchte sich in der Tat als Gerüchte entpuppen und Audi in Sachen Modelloffensive ein glücklicheres Händen hat als in der Personalpolitik.

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