Auf den Spuren einer alten IdeeTitelfoto kleiner KW 34

Ingolstadt soll eine Markthalle bekommen – Doch der Weg dahin ist nicht leicht – Bis Ende des Jahres soll ein Konzept stehen

Von Michael Schmatloch

Die Idee ist so alt wie der Ingolstädter Viktualienmarkt. Damals wurde vor der Neugestaltung intensiv diskutiert über eine Ingolstädter Markthalle. Und nun flammt diese Diskussion erneut auf. Ein entsprechender Prüfungsantrag wurde in der jüngsten Stadtratssitzung jedenfalls angenommen.
Die CSU und IN-City-Chef Thomas Deiser liebäugeln mit einer Markthalle nach Coburger Vorbild. Denn dort hat im September 2017 so eine Halle eröffnet. Coburg soll indes lediglich als Vorbild für die prinzipielle Konstruktion einer derartigen Einrichtung dienen. Ansonsten soll alles anders werden. Was nicht zuletzt deswegen angesagt scheint, will in der Coburger Markthalle die ersten Anbieter bereits den Rückzug angetreten und ihre Läden wieder geschlossen haben.
Während in Coburg die städtische „Wohnbau“ die Halle gebaut beziehungsweise saniert hat, sollen in Ingolstadt zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Ein in der Größe adäquater Leerstand soll als Hülle dienen. Die städtische Tochter IFG soll zusammen mit IN-City eine geeignete Immobilie kaufen oder mieten.
Ziel ist also die Beseitigung eines Leerstandes in prominenter Lage ebenso wie die Erhöhung der Attraktivität der Innenstadt durch eine Halle, in der regionale Produkte verkauft werden und zusätzliche Händler an die City gebunden sollen.
Ein ambitioniertes Unterfangen. Markt und Feinkost sind zwei Begriffe, die gerne in einem Atemzug genannt werden. Zu Recht. Der Vorzug ist indes in gleichem Maße ein großes Manko. Einige Versuche gab es in Ingolstadt, ein großes Feinkostgeschäft in der Innenstadt zu etablieren. Überlebt hat von zwei kleineren Läden keines. Der Abendmarkt am Donnerstagabend in der Ludwigstraße ist erst vor Kurzem gescheitert, der Wochenmarkt am Mittwoch ist nicht unbedingt opulent frequentiert.
Thomas Deiser liebäugelt mit einem Leerstand in eine 1a- oder 1b-Lage und nennt als Beispiele das Salamander-Haus, das C&A-Gebäude oder das ehemalige Geschäft Strauß-Innovation in der Moritzstraße. Objekte, bei denen sich die monatliche Pacht weit jenseits der 10.000-Euromarke bewegt. Dass sich jedoch so ein Objekt wie eine Markthalle tragen muss, ist auch für Deiser Grundvor¬aussetzung.
Ebenso wie die Forderung, neben Gastronomie und kleinen Boutiquen regionale Produkte wie Obst, Wein, Kaffee, Feinkost und Schmankerl aller Art anzubieten. „Auf jeden Fall qualitativ hochwertig und regional“, so Deiser, der zudem verhindern will, dass Geschäftsleute, die bereits in der Innenstadt vertreten sind, in die Markthalle umziehen.
Aber auch das ist eine Forderung, die für Probleme sorgen könnte. Denn Metzger und Bäcker sind in der Innenstadt umfangreich vertreten. Und ein zusätzliches Angebot könnte durchaus deren Geschäft belasten. Andererseits würde ein zusätzlicher Standort in der Markthalle für die angestammten Händler den innovativen Charakter der Markthalle sicherlich schmälern und deren Geschäft bei höheren Kosten lediglich umverteilen. Die Idee ist gut. Aber das war sie beim Abendmarkt auch. In jedem Fall bleibt in Sachen Markthalle noch eine Menge gedanklicher Arbeit zu verrichten, soll das Konzept wie angekündigt bis zum Jahresende stehen. Denn ein weiterer Flop hilft weder der Innenstadt noch den Politikern, die sich um die Zukunft der Innenstadt sorgen.

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